„Das Signal steht auf Grün - Der Betriebsrat, eine Chance für Unternehmen und Mitarbeiter/innen?“
Das Betriebs- und Personalrätenetzwerk Canaletto initiierte gemeinsam mit dem Gewerkschaftssekretär der TRANSET Volker Linke einen Projekttag zu dem Thema „Das Signal steht auf Grün - Der Betriebsrat, eine Chance für Unternehmen und Mitarbeiter/innen?“! Die große Runde der Betriebsräte zeigte ihr Interesse, die Themen überbetrieblich zu bewerten! Es war sehr angenehm die lebhafte und teilweise kontroverse Diskussion zu führen und mit zu erleben wie die Kolleginnen und Kollegen von Eisenbahnverkehrs- und Eisenbahninfrastrukturunternehmen z.B. über die Einbindung aller Berufsgruppen einer Belegschaft bei wichtigen Entscheidungen kommunizierte! Herzlichen Dank an die Kolleginnen und Kollegen von „Canaletto“ die diesen Workshop ermöglichten!
Ostsächsischer Mitbestimmungspreis
Die betriebliche Mitbestimmung prägt erheblich unsere Arbeitsgesellschaft. Sie ist eine wesentliche Säule des Erfolgs unserer sozialen Marktwirtschaft. Fast jeder zweite Beschäftigte in Deutschland wird von einem Betriebsrat vertreten. Gerade in schwierigen Zeiten sind Betriebs- und Personalräte nicht weg zu denken. Sie stehen für Demokratie und Beteiligung. Sie leisten wichtige Beiträge zur Innovation im Unternehmen und damit zur Sicherung von Arbeitsplätzen, zur zukunftsfähigen Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, zur Durchsetzung rechtlicher Ansprüche sowie zur Chancengleichheit von Mann und Frau. Ihre Arbeit ist für die Motivation und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten und Betriebe unverzichtbar. Seit März bis Mai 2010 finden die turnusmäßigen Betriebsratswahlen statt. Unter dem Motto »Gute Arbeit kannst du wählen« werben DGB und Gewerkschaften für die Wahl bzw. Gründung von Betriebsräten. Der 1. Ostsächsische Mitbestimmungspreis 2010 soll dazu beitragen, das Engagement von Betriebs- und Personalräten gesellschaftlich stärker bekannt zu machen und für die Bildung von Betriebsräten zu werben.
Zur Preisverleihung am 28. April 2010 hatten sich im Hotel „Holiday Inn“ in Bautzen zahlreiche Gäste eingefunden. Neben Betrieb- und Personalräten, politischen Entscheidungsträgern aus der Region und GewerkschafterInnen aller DGB-Gewerkschaften konnten die DGB Region Ostsachsen und das Betriebs- und Personalrätenetzwerk Canaletto auch die Bundestagsabgeordneten Maria Michalk (CDU), Caren Lay (DIE LINKE), Wolfgang Gunkel (SPD) und Reiner Deutschmann (FDP) begrüßen. Für die musikalische Begleitung zur Veranstaltung sorgte das „Christoph Oswald Duo“.
Der Moderator Wilm Heinrich aus Dresden begrüßte die Anwesenden mit einer kurzen Beschreibung der Bedeutung und der Idee des Preises. In seinem Grußwort hob der stellvertretende DGB Bezirksvorsitzende Markus Schlimbach die Bedeutung der betrieblichen Mitbestimmung für die Region besonders in der Krise hervor. „Unternehmen mit einem gut funktionierenden Betriebs- oder Personalrat können auf Veränderungen des wirtschaftlichen Umfeldes viel besser reagieren und helfen somit Arbeitsplätze zu sichern“ betonte Schlimbach.
Prof. Gerald Svarovsky als Geschäftsführer der DSA GmbH stellte in seinem Beitrag die von seinem Unternehmen gestaltete interaktive „Berufelandkarte“ (www.berufelandkarte.de) vor, die einen wichtigen Beitrag zur Zusammenführung von ArbeitnehmerInnen und Unternehmen leistet.
Dr. des. Jörg Weingarten von der PCG Project Consult, dem Projektträger des Betriebs- und Personalrätenetzwerkes Canaletto, zielte in seinem Vortrag auf die Europäische Dimension der betrieblichen Mitbestimmung ab. „Nur wenn sich Betriebsräte der internationalen Dimension ihrer Unternehmen bewusst werden, kann das Erfolgsmodell der Mitbestimmung im 21. Jahrhundert weiterbestehen“ mahnte Weingarten.
Der Höhepunkt des Abends, die eigentliche Preisverleihung, begann mit der Vorstellung des Preises. Die Keramiken wurden von der Bautzner Keramikwerkstatt der Oberlausitzer Werkstätten im Diakoniewerk Oberlausitz e.V. designed und hergestellt.
Als erste Preisträger wurden die Betriebsräte des Gebäudereinigers Piepenbrock für ihr Engagement ausgezeichnet. Ihnen war es gelungen trotz widriger Arbeitszeiten und Arbeitsbedingen gegen große Widerstände eine betriebliche Interessenvertretung aufzustellen und aufrecht zu erhalten.
Zweiter Preisträger des Mitbestimmungspreises, bei dem es keine Rangfolge gibt, ist der Betriebsrat der GKN Walterscheid Getriebe GmbH in Sohland und den dritten Preis erhielt der Betriebsrat der Neukircher Zwieback GmbH.
Die Stellungnahmen zu den Preisträgern, die unter anderem auch vom Geschäftsführer der Neukircher Zwieback GmbH gehalten wurden, stellten noch einmal den Wert der betrieblichen Mitbestimmung heraus und würdigten das Miteinander in den ausgezeichneten Betrieben von Belegschaften, Geschäftsführung und Betriebsräten.
Der feierliche Abend klang anschließend bei einem gemeinsamen Büffet und der Musik des „Christoph-Gottwaldduos“ aus.
"Damit unsere Arbeit auch rüberkommt" - Betriebliche Kommunikation mit einfachen Mitteln
Bischofswerda, 30.01.2010
Einundzwanzig Betriebs- und Personalräte aus der Landesdirektion Dresden trafen sich am Samstag, dem 30.Januar 2010, im Hotel Evabrunnen Bischofswerda zu einem weiterem Seminar des Netzwerks Canaletto. Zusammen mit Grit Steckmann, Referentin von der Nafroth PR-Kommunikationsberatung aus Berlin, wurde in einem ganztägigen Seminar über das Thema „Öffentlichkeitsarbeit und betriebliche Kommunikationen“ diskutiert und beraten.
Anhand von verschiedenen Handreichungen wie Plakate oder Einladungen (z.B. auch per Power Point) wurden den TeilnehmerInnen Vorschläge unterbreitet, die sie dann in einzelnen Gruppen für sich und ihrem Unternehmen mit handwerklichem Geschick weiter vervollständigen konnten. (siehe auch Fotostrecke)
Große Übereinstimmung gab es zum Schluss dieses Seminares. Es waren sich alle einig:
Gemeinsames Handeln, gemeinsames Diskutieren, gemeinsames Entwickeln von Ideen über die tägliche Betriebsratsarbeit hinaus, wird die Betriebs- und Personalräte für die Zukunft noch enger zusammenschweißen und ihre gemeinsame Arbeit erleichtern.
In diesem Sinne bedanken sich Tilo aus Rosenthal, Marianne + Petra + Angelika aus Hoyerswerda, Ute aus Löbau, Annerose aus Kemnitz, Ilona aus Niedercunnersdorf, Michael + Hannelore aus Neukirch, Dana aus Ringenhain, Axel aus Dresden, Dietmar aus Riesa, Arnold aus Lommatzsch, Michaela aus Dresden, Ute aus Meissen, Michael aus Bautzen, Jürgen aus Riesa und Holm aus Bannewitz.
Löbauer Betriebsrätestammtisch beschäftigte sich mit Süßem
Am 16.03.2010 traf sich in Löbau der 1. Betriebsräte-Stammtisch der Süßwarenindustrie Ostsachsen. Unter dem Motto "Neue Aufgaben- neue Partner-neue Wege" wurde besonders über die Themen Ausbildung und Schichtmodelle diskutiert. Als Fazit der Veranstaltung wurde angeregt,regelmäßig Treffen der Betriebsräte durchzuführen, um betriebsübergreifende Themen aus unterschiedlichen Gesichtspunkten zu beleuchten. Nächster Treff ist für den Juni 2010 vereinbart wurden.
Stirbt man früher wenn man schlechter schläft?
„Über Interpretationen kann man streiten, über wissenschaftliche Fakten nicht“, so die Aussage von Dr. Christoph Klug, welcher bei einer Veranstaltung des Netzwerks Canaletto über die Auswirkungen der Schichtarbeit auf den menschlichen Organismus referierte.
Viele seiner Ausführungen empfanden die anwesenden Betriebs- und Personalräte als treffende Beschreibung ihrer Erfahrungen. Schlafstörungen, häufige Infektionskrankheiten, schwere Erkrankungen und psychische Störungen sind die Begleiterscheinungen einer flexiblen Arbeitswelt. Über die Gründe und Auswirkungen diskutierten dabei die anwesenden Belegschaftsvertreter intensiv. Dabei stellten einige Anwesende die richtigen Fragen: „Warum unterhalten wir uns ständig nur über den Umgang mit Gefahrenstoffen und nicht einmal über das Schädlichste für den menschlichen Körper – nämlich den 12-Sundenschichten in der Nacht?“ Dieses Thema weiterhin zu thematisieren – das war die Kernaussage der anwesenden Betriebsräte verschiedener regionaler Firmen, welche in Mehrschichtsystemen arbeiten. Ein Ziel ist dabei die Einbindung der Gewerkschaften und Politik in diese Thematik, „denn auf deren Unterstützung werden wir zählen müssen“, so Bernhard Fischer abschließend.
Jugendkamingespräch am 14.12.2009
Rechtsextremismus ist in Sachsen nicht zuletzt seit dem Wiedereinzug der NPD in den Landtag ein strukturelles Problem. Die Nazis beschränken sich nicht nur darauf, die Frustrierten und Verlierer der Gesellschaft kurzzeitig als „Stimmvieh“ einzufangen, sondern die verfassungsfeindlichen Kräfte sind darum bemüht, nachhaltig Strukturen in Politik und Gesellschaft zu etablieren.
Die Jugend ist dabei in den letzten Jahren besonders in den Fokus geraten. Die politische Enttäuschung und die wirtschaftlich prekäre Situation vieler Auszubildender und Berufsschüler bietet eine Angriffsfläche für ausländerfeindliche und rassistische Agitationen. Diese erscheinen häufig zunächst sehr unpolitisch und werden als eine Art jugendliche Subkultur, wie Punk, Oi oder Hippie dargestellt. Elemente sind vor allem Musik, Lebensgefühl und Kleidung.
Die Einrichtungen der Berufsbildung sollten sich dieser Tendenz bewusst werden und feststellen, wie sie, die SchülerInnen und Azubis von den Nazis instrumentalisiert werden. Es gilt klar deutlich zu machen, dass weder eindeutig verfassungsfeindliche Symbole noch entsprechende Kleidungsmarken wie Thor Steinar etwas in der Berufsschule zu suchen haben, denn Rassismus ist eben keine politische Einstellung, sondern ein Verbrechen.
Das erste Jugendkamingespräch thematisierte die rassistische und rechtsextremistische Symbolik in Berufsschulen. Dabei wurden neben Erfahrungsberichten und politischen Statements auch nachhaltige Lösungsansätze miteinander diskutiert.
„Wie gestaltet sich die betriebliche Mitbestimmung im ländlichen Raum?“
Den Belegschaftsvertretungen kommt gerade im ländlichen Raum eine besondere Bedeutung zu. Ihre aktive Mitarbeit bei der Suche nach erfolgreichen Lösungsstrategien zur Bewältigung betrieblicher Probleme setzt dabei ebenso umfassendes Wissen voraus, wie bei ihrem kontinuierlichen Engagement im Alltagsgeschäft. Die Gestaltungsmöglichkeiten und Fördermöglichkeiten durch das Netzwerk Canaletto ist dabei intensiv diskutiert worden.
Tagesordnung:
10.00 Uhr,
Begrüßung Bernhard Sonntag, DGB Vorsitzender Ostsachsen
10.10 Uhr,
Vorstellung des Netzwerkes Canaletto, Ilko Keßler, Projektleiter
10.30 Uhr,
Erfahrungen bei Netzwerksarbeit, Jörg-Peter Skroblin, PCG - PROJCT CONSULT GmbH
11.00 Uhr,
Erfahrungsaustausch und Diskussion
Das BR- /PR- Netzwerk Canaletto ist ein branchenübergreifendes Qualifikationsprojekt. Wir bieten allen Betriebs- und Personalräten der Region Dresden und Ostsachsen an, in unseren Veranstaltungen und insbesondere auf unserer Internetplattform vom Wissen aller Mitstreiter/innen zu profitieren und eigene Kompetenzen aktiv dort einbringen zu können.
Umdenken - Gegenlenken --- Betriebsräte fragen PolitikerInnen
„Arbeit. Sinn und Sorge“ lautet der Titel einer aktuellen Ausstellung im Deutschen Hygienemuseum in Dresden. Zur Eröffnung der großen Konferenz des Netzwerks Canaletto in Zusammenarbeit mit dem DGB (Region Dresden-Oberes Elbtal) diskutierten der Kurator der Ausstellung, Dr. Daniel Tyradellis, Prof. Dr. Gustav Horn (Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung) und der Geschäftsführer der PCG - Project Consult GmbH, Prof. Dr. Klaus Kost, über die medial sehr innovative Veranschaulichung des Arbeitsbegriffs in den Räume des Hygienemuseums.
Daniel Tyradellis erläuterte, dass das Konzept der Ausstellung bewusst die historische Dimension des Arbeitsbegriffs vernachlässige und die klassischen Strukturen der abhängigen Lohnarbeit nur als einen Teilbereich der Arbeit verstehe. Vielmehr wolle er mit seinen Exponaten und Installationen die Besucher für einen allgemeineren umfassenden Arbeitsbegriff der Gegenwart und der Zukunft sensibilisieren.
Gustav Horn skizzierte in seinen Ausführungen zum Arbeitsbegriff vor allem den Sinn der Arbeit. Arbeit sei für den Menschen im inneren Verständnis Selbstverwirklichung. Diese Entfaltungsmöglichkeit sei jedoch durch gesellschaftliche Zwänge eingeschränkt, da nicht jede Arbeit auch die Möglichkeit biete, einen adäquaten Lebensunterhalt für den Einzelnen zu gewährleisten.
Klaus Kost ergänzte die aktuelle wissenschaftliche Sicht auf die Problematik wie folgt: „Wir haben es nicht mit einer Krise der Arbeit an sich zu tun, sondern „nur“ mit einer Krise der bezahlten Arbeit.“
Die Rolle der Gewerkschaften und des gewerkschaftlichen Engagements sieht Tyradellis in seiner Ausstellung nicht vom strukturellen Standpunkt aus, sondern er beleuchtet vor allem die Arbeit, die für den Einzelnen damit verbunden ist und die entsprechenden Folgen. Daraus leite sich eine Hochschätzung der ehrenamtlichen Tätigkeit ab und es sei unbestritten, dass Gewerkschaften als gesellschaftliches Instrument unverzichtbar seien, um gemeinschaftliche Interessen zu artikulieren und zu vertreten.
Hierzu bekräftigte Gustav Horn, dass ohne Gewerkschaften ein wichtiges Korrektiv im Wirtschaftssystem fehle. Ohne die Vertretung von Arbeitnehmerinteressen würde das Kapital ungezügelt seinen Gewinn maximieren, was für eine Gesellschaft keinesfalls gesund sei.
In seiner Eröffnungsrede nahm sich Ralf Hron des Themas Gewerkschaften und Politik an. Gewerkschaften seien keine Parteien und arbeiteten überparteilich. Das erzeuge häufig das Missverständnis, dass Gewerkschaften sich nicht politisch äußern dürften. Das dürfen die Gewerkschaften sehr wohl und in der aktuellen Krisensituation sei es sogar ihre Pflicht. Der Titel der Konferenz „Umdenken-Gegenlenken“ sei ein klares politisches Statement gegen ein weiteres neoliberales Wirtschaften auf Kosten der ArbeitnehmerInnen und des sozialen Friedens weltweit.
Um die Notwendigkeit eines Umdenkens in der Wirtschaftspolitik zu untermauern, erläuterte Prof. Dr. Gustav Horn sehr anschaulich die Ursachen der Krise im globalen Kontext. Er würdigte das bestehende Sozialsystem, das momentan verhindere, dass die Wirtschaftskrise zu einer politischen werde. Und genau diese wichtige Stütze müsse erhalten werden. Vielmehr noch sei es eine Erfahrung aus der Krise, dass die Exportorientierung der deutschen Wirtschaft sie besonders anfällig mache für globale Schwankungen. Dieses strukturelle Ungleichgewicht, das vor allem darauf basiert, dass sich private Haushalte in den Vereinigten Staaten in den letzten Jahren hemmungslos verschulden konnten, gelte es auszugleichen. Dies könne nur durch eine Stärkung der Binnennachfrage in Deutschland, aber auch in Europa gelingen. Es bestehe die Chance, jetzt in der Krise umzusteuern und neben einer ungesunden Wirtschaft auch die immer stärker werdende Differenzierung der Gesellschaft in Arm und Reich zu stoppen und im Sinne des Veranstaltungstitels für den sozialen Frieden gegenzulenken. Es gelte sinnvoll und mehr zu regulieren und Risiken zu minimieren.
Zudem kritisierte Horn den aktuellen Wahlkampf der Parteien scharf. Gerade in einer Wirtschaftskrise sei es angemessen, eine harte inhaltliche Auseinandersetzung zu führen. Die Parteien täten mit leeren Phrasen auf Wahlplakaten und der Suche nach Skandalen im gegnerischen Lager genau das Gegenteil.
Als Vertreterin der Politik veranschaulichte Ministerin Eva-Maria Stange am Beispiel der Bildungspolitik, wie das Umdenken und Gegenlenken in diesem Fall realisiert werden kann. Sie zeigte die Ambivalenz auf, die durch Ökonomisierungen im Bildungssystem entstanden sind. Einerseits resultierten sie aus der Messung der Güte nach Kriterien, die eine nationale und internationale Vergleichbarkeit ermöglichten und somit auch die aufsehenerregende PISA-Studie hervorbrachten. Genau diese Studie verwies ja auf die soziale Ungerechtigkeit im deutschen Bildungssystem. Andererseits produziert die Ökonomisierung einen starken Leistungsdruck auf den Einzelnen und erzeugt immer eine Gruppe von Menschen, die diesem Druck nicht gewachsen ist. So entstünden Ungleichheiten beim Bildungsstand, die zu Ungerechtigkeiten in der Gesellschaft führten.
Umdenken und Gegenlenken bedeutete für Stange in diesem Zusammenhang eine Neubewertung des Bildungsbegriffs. Dabei dürfe es nicht nur darum gehen, was Bildung für die Wirtschaft bringe, sondern dass Bildung ein Menschenrecht sei. Das Bildungssystem einer Gesellschaft sollte sich auch dieser Aufgabe bewusst sein und somit einen Beitrag zu einer Welt mit weniger Ungerechtigkeit leisten.
In der anschließenden von Ralf Hron moderierten Diskussionsrunde stellten die Betriebsräte Ingrid Hanusch (Hotel Westin Bellevue), Jörg Furkert (CooolCase Dresden), Ullrich Jentzsch (VW Dresden) und Holm Theinert (Infineon Dresden) Fragen an die Politiker Dr. Eva-Maria Stange (SPD), Alexander Krauß (CDU), Annekatrin Klepsch (DIE LINKE) und Johannes Lichdi (Bündnis 90/DIE GRÜNEN).
Besonders am Herzen lag den Betriebsräten die Frage nach einem gesetzlichen Mindestlohn, wie er von den Gewerkschaften des DGB auch gefordert wird. Die anwesenden Politiker zeigten alle Verständnis für dieses Anliegen und schlossen sich mit Ausnahme von Alexander Krauß an. Der verwies zum einen auf die Autonomie der Tarifparteien und zum anderen führte er an, dass Qualifizierungsmaßnahmen und damit einhergehende Qualitätssteigerungen die Abwärtsspirale im Bieterwettbewerb bei Preisen und Löhnen durchbrechen würde und somit langfristig gesehen fast ein jeder Arbeitnehmer von seinem Lohn angemessen leben könne und zusätzliche Transferleistungen durch den Staat somit nur eine Übergangslösung seien.
Ein weiteres Thema in der Diskussion war die immer mehr verbreitete Leiharbeit in den Betrieben, die zu einer Differenzierung der Belegschaften in Klassen führt. Dabei nahmen die Politiker die Sorgen auf, hatten dabei jedoch unterschiedliche Ansätze zur Lösung. Während die Vertreter von SPD, DIE LINKE und Bündnis 90/DIE GRÜNEN für neue gesetzliche Begrenzungen und Regulierungen plädierten, verwies die CDU auf die bestehenden Möglichkeiten im Rahmen der betrieblichen Mitbestimmung, die noch Potentiale zur Eindämmung des Missbrauchs habe.
Bei der Forderung der Betriebsräte nach einem Primat der regionalen Vergabe von öffentlichen Aufträgen zeigte sich Johannes Lichdi skeptisch ob der Umsetzung, da das Kriterium der Regionalität schwer zu fassen sei und unter Umständen in engstirnige Regionalismen und sogar Nationalismen führen könne. Er mahnte hingegen einen weiterführenden Kriterienkatalog an, der neben sozialen auch ökologische Standards mit einbeziehe.
Die Frage nach der zukünftigen Wirtschaftsförderungsstrategie des Freistaates wurde in der Runde sehr kontrovers diskutiert. Annekatrin Klepsch kritisierte die bisher forcierte Förderung der so genannten Leuchttürme, deren Schwäche bei der Pleite des Dresdner Chipherstellers Quimonda schonungslos gezeigt wurde. Vielmehr plädierte sie dafür, regionale Wirtschaftskreisläufe zu fördern und so die gesellschaftlichen Auswirkungen in den sich zwangläufig ergebenden wirtschaftsschwachen Regionen, wie die politische Radikalisierung und Abwanderung, einzudämmen. Eva-Maria Stange mahnte hingegen eine wirkliche wirtschaftspolitische Strategie des Freistaates an. Die Leuchttürme könnten ein Teil einer solchen Strategie sein, aber nicht das ganze Konzept an sich. Bei der Bewertung der Insolvenz des Dresdner Chipwerks ergriff sie Partei für das Wirtschaftsministerium und den Minister, indem sie die finanzielle Unmöglichkeit einer Rettung darlegte.
Die abschließende Diskussion mit dem Publikum war wiederum von den Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise geprägt. Die Anwesenden wollten wissen, was genau die Politik für Möglichkeiten besitzt, um das ungezügelte Agieren der internationalen Finanzmärkte zu steuern und wie die negativen Folgen dieser sehr unübersichtlichen und nur für Fachleute wirklich zu verstehenden Schwankungen gemindert werden können.
Als eine Vertreterin der am meisten betroffenen Gruppe kam die Erwerbsloseninitiative von ver.di zu Wort und schilderte die wirtschaftlich prekäre Lage, in der sich viele Menschen befänden. Sie verwies vor allem auf den schlechten arbeitsrechtlichen Status von so genannten 1-Euro-Jobbern, die beispielsweise bei Krankheit gekündigt würden. Die anwesenden Politiker versprachen sich des Themas anzunehmen und ein großer Teil des Publikums unterschrieb eine Unterschrifteninitiative, die die Abschaffung dieser entwürdigenden Arbeitsverhältnisse fordert.
Der großen Konferenz des Netzwerks Canaletto gelang die Abdeckung eines breiten Themenspektrums. Beginnend mit einer Diskussion über die künstlerische Interpretation des Arbeitsbegriffes in der Ausstellung „Arbeit. Sinn und Sorge“ kam man von dem abstrakten Phänomen der Weltwirtschaftskrise hin zu konkreten Problemen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Sachsen. Die Plattform der Podiumsdiskussion zwischen Betriebs- und Personalräten und PolitikerInnen fast aller (der Vertreter der F.D.P., Johannes Lohmeyer, hatte kurzfristig abgesagt) demokratischen Parteien im sächsischen Landtag hatte natürlich kurz vor der Wahl eine gewisse Brisanz. Aber auf der Konferenz ging es eben nicht um den Wahlkampf der Politik, sondern um die Interessen der BelegschaftsvertreterInnen, und die sind dem Netzwerk Canaletto am wichtigsten, vor der Wahl und nach der Wahl.
Bilder von unserer großen Konferenz finden sie hier.
Görlitzer Erfahrungsaustausch
Am 24.11.2009 fand das erste Mal ein Erfahrungsaustausch zwischen Betriebsräten der Region Görlitz unter Schirmherrschaft des Netzwerkes Canaletto branchenübergreifend statt.
Die Betriebsräte von Siemens, Staatsanwaltschaft, Wohnungsbaugesellschaft und Bombardier unter anderem diskutierten über Themen wie Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Konfliktbearbeitung und Mobbing am Arbeitsplatz , Gesundheitsvorsorge und Kurzarbeit.
Großes Interesse besteht am Thema „Mobbing“. Einige Betriebsräte haben Erfahrungen bzw. Vereinbarungen dazu und andererseits wurde durch das Netzwerk Unterstützung durch einen kompetenten Referenten zugesichert. Das Thema soll Anfang 2010 nochmals aufgegriffen werden.
Rita Schaarschmidt, Görlitz, 24.11.09
➜ Görlitzer Gespräch
Im Jahr 2009 trafen sich schon mehrmals Görlitzer Betriebs- und Personalratsvertreter zum branchenübergreifenden Erfahrungsaustausch. Neben dem Pflegen der persönlichen Kontakte und einer intensiven Vernetzung soll vor allem eine stärkere Beteiligung der Betriebs – und Personalräte als Sozialpartner in der heimischen Wirtschaft angemahnt werden.
➜ Einladung
Das Netzwerk Canaletto lädt Sie gemeinsam mit den Initiatoren der Görlitzer Gespräche am 21.November 2009 zum nächsten Betriebs- und Personalrätegespräch im Patrizierhaus „Sankt Jonathan", Peterstraße 16 in 02826 Görlitz ein. Für ausreichende Verpflegung ist gesorgt.
Jetzt gestalten wir...?
Tagesordnung zur Klausur (06. – 08.11.2009)
Freitag, den 06.11.2009 (Klausur zu Betriebsratswahlen 2010 in der Region)
17.00 Uhr Begrüßung durch Dietmar Damaschke
Einführender Worte zu den Betriebsratswahlen 2010
Brainstorming zu Handlungsstrategien des Dachverbandes
Erarbeitung des Konzeptes in Gruppen
19.00 Uhr Abendessen
Präsentation der Vorschläge der Gruppen
Zusammenfassung
Vortrag zum Netzwerk Canaletto
Samstag, den 07.11.2009 (Klausur zu aktuellen Themen der Arbeitnehmerschaft)
09.00 Uhr Arbeitnehmerhaftung – Erfahrungsberichte
Diskussion zu Handlungsmöglichkeiten der Mitbestimmungsvertreter
Erarbeitung eines Thesenpapiers
11.00 Uhr Einführende Worte zum betrieblichen Gesundheitsmanagement
Diskussion zu Mitbestimmungsmöglichkeiten bei der betrieblichen Gesundheitsvorsorge
Erstellung der Grundzüge eines Leitfadens – Weiterdelegierung an die Gremien
12.30 Uhr Mittagessen
14.30 Uhr Erfahrungsberichte/ Brainstorming zum aktuellen Stand der Wirtschaftskrise in der Region
Diskussion zu Handlungsansätzen für MitbestimmungvertreterInnen und Gewerkschaften
Formulierung von Arbeitsaufträgen für den DGB – OV/verdi OV
16.00 Uhr Besuch der Gedenkstätte (Gefängnis Bautzen II)
19.00 Uhr Abendessen
Sonntag, den 08.11.2009 (Klausur zur betrieblichen Situation von …….)
9.00 Uhr Betriebsbesichtigung Develey Senf & Feinkost GmbH, Werk Bautzen. Großdubrauer Straße 36 02625 Bautzen
Gesprächsrunde mit dem Betriebsräten u. a. zu den Themen: Betriebsratswahl, Arbeitnehmerhaftung, Gesundheitsvorsorge und Wirtschaftskrise
12.00 Uhr Mittagessen
13.00 Uhr Auswertungsrunde
14.30 Uhr Heimreise
Betriebliche Mitbestimmung im ländlichen Raum
„Wie gestaltet sich die betriebliche Mitbestimmung im ländlichen Raum?“ – Workshop in Bautzen
Den Belegschaftsvertretungen kommt gerade im ländlichen Raum eine besondere Bedeutung zu. Ihre aktive Mitarbeit bei der Suche nach erfolgreichen Lösungsstrategien zur Bewältigung betrieblicher Probleme setzt dabei ebenso umfassendes Wissen voraus, wie bei ihrem kontinuierlichen Engagement im Alltagsgeschäft. Die Gestaltungsmöglichkeiten und Fördermöglichkeiten durch das Netzwerk Canaletto soll hierbei diskutiert werden.
Tagesordnung:
10.00 Uhr,
Begrüßung Bernhard Sonntag, DGB Vorsitzender Ostsachsen
10.10 Uhr,
Vorstellung des Netzwerkes Canaletto, Ilko Keßler, Projektleiter
10.30 Uhr,
Erfahrungen bei Netzwerksarbeit, Jörg-Peter Skroblin, PCG - PROJCT CONSULT GmbH
11.00 Uhr,
Erfahrungsaustausch und Diskussion
Krisenfrüherkennung in Lückendorf
Die Krise hat den Wert der Arbeit wieder zu Bewusstsein gebracht. Nicht allein die finanzindustrielle Verwertung von Anlagekapital, sondern vor allem das, was die Menschen mit ihren Händen und Köpfen schaffen, macht den Wert einer Volkswirtschaft aus. Es kann keine Rede vom Ende der Arbeitsgesellschaft
sein. Wir leben vielmehr in einer Gesellschaft, in der sich die Formen der Arbeit vervielfältigt haben und die Verhältnisse der Beschäftigung unübersichtlicher geworden sind.
Leiharbeit – ein zahnloser Tiger gegen Langzeitarbeitslosigkeit?!
23 Betriebs- und Personalräte und Gäste aus Politik und Verwaltung fanden jüngst den Weg zum ersten Kamingespräch des Betriebs- und Personalräte Netzwerkes Canaletto in den Gasthof Herrenhaus. Jürgen Zenker, Betriebsratsvorsitzender der LTB Leitungsbau Dresden, moderierte diesen Auftakt zur neuen Veranstaltungsreihe, und provozierte die Anwesenden gekonnt zur Auseinandersetzung mit der Fragestellung:
„ Kann uns die Leiharbeit in Sachsen retten? Was hat uns die Leiharbeit in Sachsen gebracht?“
Im Einführungsreferat von Dr. Hartmut Mangold, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit, bot er den interessierten Zuhörer/innen einen Einblick in die aktuelle Situation. So habe sich die Zahl der Beschäftigten in Leiharbeit seit 2007 rasant erhöht. Strukturell betrachtet setze sich die Gruppe dieser beschäftigten zu je 50 % aus Langzeitarbeitslosen und Beschäftigten mit einem qualifizierten Berufsabschluss. 50% der Leiharbeiter/innen werde vorwiegend bei Hilfstätigkeiten eingesetzt.
Was allerdings wegen dem erhofften massiven Klebeeffekt ursprünglich als probates Mittel gegen Langzeitarbeitslosigkeit angedacht worden sei, habe sich de facto als zahnloser Tiger erwiesen ohne nennenswerte Effekte auf den sächsischen Arbeitsmarkt.
Denn Leiharbeitskräfte würden mittlerweile kaum noch eingesetzt, um kurzfristige und damit unerwartete Produktionsspitzen abzufangen. Vielmehr werden sie häufig systematisch zur Personalrationalisierung missbraucht, so die Aussage der anwesenden Betriebs- und Personalräte aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe, der Chemieindustrie, der verarbeitenden Industrie und aus dem Dienstleistungsbereich.
Vorteile für Langzeitarbeitslose könnten nur insofern ausgemacht werden, falls in diesem Marktsegment seriöse Verleihunternehmen am Markt agierten und ihren Beschäftigten neben langfristigen Anstellungsverträgen insbesondere Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten in verleihfreien Zeiten garantierten.
Die Realität sehe aber leider anders aus: Bezahlungen weit unter Tarif, in der Regel permanent befristete Arbeitsverhältnisse, weitgehende Ausschaltung von Mitbestimmungs- und v. a. auch Kündigungsschutzrechten in den entliehenen Unternehmen, Verlagerung anfallender Belastungen wie Fahrt- und
Übernachtungskosten zu Lasten der Leiharbeitnehmer/innen, nicht Anrechnung von Reisezeiten auf die zu erbringende Arbeitszeiten u. v. m..
Die DGB Studie zum west- und ostdeutschen Arbeitsmarkt ergab, dass im 1. Halbjahr 2007 bereits 12 % der Leiharbeiter/innen weniger als eine Woche und 43 % nur eine Woche bis max. drei Monate am selben Arbeitsplatz beschäftigt waren. Bis 2008 stieg der Anteil der Leiharbeiter zudem erneut um 27 % an.
Aufgrund dieses häufigen und schnellen Wechsels käme der Synchronisationsgrundsatz, der von Betriebsräten häufig über Betriebsvereinbarungen verankert worden sei, um für Leiharbeitnehmer/innen fast gleiche Konditionen zur Stammbelegschaft durchzusetzen, folglich höchst selten zum Einsatz, so die Betriebsräte.
Zu beobachten sei zudem ein weiteres strukturelles Problem, denn gerade in Tätigkeitsbereichen, für die im Unternehmen schon immer nur zeitweiliger Bedarf bestand, tendierten immer mehr Firmen dazu, hier die Stammbelegschaft schleichend durch Leiarbeitsverhältnisse zu ersetzen.
Nach Auffassung der anwesenden Betriebsräte sei Leiharbeit aber auch bzgl. der entleihenden Firmen als solchen sehr kritisch zu betrachten. So beschäftigten nahezu 2/3 der 815 Verleihfirmen lediglich 10 bis 50 Mitarbeiter/innen.
Stefan Brangs, Mitglied im sächsischen Landtag und wirtschaftspolitische Sprecher der SPD- Landtagsfraktion verwies hier insbesondere auf die mit der IG Metall verabschiedete Resolution zu Mindeststandarts für die Branche der Verleihfirmen. Hier sei insbesondere auch Handlungsbedarf auf gesetzgeberischer Seite, etwa bzgl. der Festschreibung von Weiterqualifikationsansprüchen für die Leiharbeiter/innen, der zeitlichen Befristung der maximalen Inanspruchnahme der Leiharbeitsphase, oder auch im Bereich des Vergaberechts, so der Staatssekreter Mangold. Gesetzesentwürfe hierzu seien längst erarbeitet, fänden derzeit aber leider keine Mehrheiten in der Koalition, so Mangold. De facto sei hier einiges aus dem Ruder gelaufen, was gerade auch auf gesetzgeberischer Seite dringend und zeitnah der Korrektur bedürfe.
Laut Auskunft der Betriebs- und Personalräte böte aber auch das Betriebsverfassungsgesetz kaum Sanktionsmöglichkeiten, etwa bei Nichteinhaltung etwa der §§ 96, 97 BetrVG. Was nützen festgeschriebende Verpflichtungen etwa zum Demographiecheck, wenn dem Betriebsrat hier die Mittel zur Durchsetzung fehlen. Und was können Mitbestimmungsorgane tatsächlich bewirken bei bevorstehenden Ausgliederungen von Unternehmensteilen oder Neugründung von Tochterfirmen zwecks unterlaufen von Tarifen?
Aber auch bzgl. des Steuerrechts würde die Verlagerung von festen Arbeitsverhältnissen in befristete hier extrem Vorschub geleistet, da Leiharbeitskräfte als Sachkosten liefen und eben nicht als Personalkosten, so viele Betriebsräte. Hier wäre auch erforderlich, Betriebs- und Personalräte weiter zu qualifizieren, um solche versteckten Kosten leichter und schneller identifizieren und beurteilen zu können. Genau hier stecke ein entscheidender Mehrwert durch das Betriebs- und Personalräte Netzwerk Canaletto, so die Anwesenden. Gerade der branchenübergreifende erfahrungs- und Informationsvorteil komme hier allen zeitnah zugute.
Im Verlauf der offenen Diskussionsrunde wurde aber auch kritisiert, dass durch die Einführung von Leiharbeitsverhältnissen in vielen Firmen eine Zweiklassenbelegschaft entstanden sei, was die Interessenvertretung durch das Betriebsratsgremium stark erschwere.
Aber auch die oft zu beobachtende „Premiumpartnerschaft“ der BfA und den vorwiegend großen Personalverleihern, so Ralf Hron, DGB regionsvorsitzender Dresden-Oberes Elbtal. Obgleich hier ausschließlich Gewinnmaximierungsinteressen im Vordergrund stünden , bestünden bis heute keinerlei Festlegungen bzw. einschränkende Rahmenbedingungen für diese Firmen, so Hron. Mit Einführung der ARGE und Erhöhung zahlreicher Alimentationsleistungen auf staatlicher Seite müßten zudem verstärkt jene Einkommensverluste wieder auf Kosten der Allgemeinheit ausgeglichen werden, die durch ausbeuterische Unterbezahlung zahlreiche Leiharbeiter/innen in die Armut zwängen.
Dies werde nur noch dadurch übertroffen, dass gerade aus dem liberalen Lager noch immer dem Motto Vorschub geleistet werde: „Billig sei gut“. Unter dem Stichwort der Klebeeffekte zugunsten von Langzeitarbeitslosen würden Gewerkschaften hier all zu oft erpressbar.
Laut Hron müsse es aber darum gehen, den Mitbestimmungsrechten von Arbeitnehmer/innen an und für sich als schützenswertes Recht wieder den Stellenwert zukommen zu lassen, der ihnen in einer freiheitlich demokratischen Grundordnung und erst recht in der sozialen Marktwirtschaft zukäme.
Zum Schluss begrüßten alle Anwesenden die regelmäßige Fortsetzung dieser Veranstaltungsreihe im Rahmen des BR-/PR- Netzwerkes Canaletto, ergänzt um zusätzliche regionale Stammtische zu spezielleren Themenstellungen.
Mehr Arbeitnehmerrechte in Europa

- Cornelia Ernst, Die LINKE und Constanze Krehl, SPD vor Betriebs- und Personalräten
Mehr Arbeitnehmerrechte in Europa forderten die Dresdner- und auch die ostsächsischen Betriebs- und Personalräte gemeinsam. Am 28. Mai, 14.00 Uhr veranstaltete dazu das Netzwerk Canaletto für die sächsischen Kandidaten des Europaparlamentes eine Veranstaltung, wo diese sich den Fragen der Belegschaftsvertreter stellen konnten. DGB-Regionsvorsitzender Ralf Hron meinte klar: „die Kandidaten sollen sagen, was sie in Brüssel für die heimischen Arbeitnehmer tun wollen.“ Das Betriebs- und Personalrätenetzwerk Canaletto hatte parteiübergreifend alle Spitzenkandidaten eingeladen. Die Abwesenheit der Vertreter von CDU und FDP kommentierte Jutta Skudelny-Stumpf: „Unsere Betriebs- und Personalräte stehen für die ArbeiterInnen und Angestellten in unserer Region. Ob die Kandidaten von FDP und CDU für die BelegschaftsvertreterInnen wirklich keine Zeit oder einfach nichts übrig haben, werden wir nun nicht erfahren“, so deren Fazit.
Kurzarbeit: Möglichkeiten in der Krise?
Am 7. April 2009 hat das Netzwerk Canaletto ein Seminar für Betriebs- und Personalräte durchgeführt. Das Thema „Kurzarbeit - Möglichkeiten, Probleme, Lösungen“ wurde von den 22 TeilnehmerInnen mit sehr großem Interesse aufgenommen.
In den beiden Referaten und in der sehr lebhaften Diskussion ging es darum, die Neuregelungen zur Kurzarbeit so anzuwenden, dass ein größtmöglicher Nutzen für die Unternehmen und Einrichtungen und damit für deren Beschäftigte entsteht. Zu rechtlichen Problemen referierte sehr sachkundig Herr Rechtsanwalt Didschun, insbesondere zum Abschluss von Betriebsvereinbarungen im Zusammenhang mit Kurzarbeit. Anschließend machte der Geschäftsführer der Dresdner Arbeitsagentur, Herr Wünsche, das Thema Kurzarbeit aus Sicht der Arbeitsagentur sehr anschaulich. In der sehr lebhaften, als Erfahrungsaustausch geführten Diskussion bestand eine große Übereinstimmung darin, dass für Kurzarbeit das Gleiche wie für viele rechtliche Mechanismen gilt, die Arbeitnehmer in einer wirtschaftlichen Krise schützen können: Sie greifen nur, wenn es einen Betriebs- bzw. Personalratrat gibt, der engagiert und fähig tätig ist. Zweifellos helfen Veranstaltungen wie die zum Thema Kurzarbeit bei der Lösung dieser wichtigen Aufgaben. Moderiert wurde die Veranstaltung von Dr. Klaus Deubel, Bürgermeister a.D.. Er betonte, dass die große Chance des Netzwerkes Canaletto in der aktiven Beteiligung der Betriebs- und Personalräte besteht. Ein solidarisches Miteinander, eine Kooperation auf gleicher Augehöhe ist auch nach Auffassung der Teilnehmer des Seminars ein Angebot, Branchen übergreifend die Kräfte zu bündeln, um so in schwieriger Zeit Arbeitnehmerinteressen noch besser als bisher durchzusetzen.
Die Friedrich-Ebert-Stiftung ermöglichte die Veranstaltung durch wesentliche Unterstützung und Begleitung. Für die Veranstaltung stellte das Herbert-Wehner-Bildungswerk den Raum bereit.Die erste inhaltliche Veranstaltung des Netzwerkes Canaletto fand großen Zuspruch. Dadurch müssen einige Unterlagen, die von den Referenten zur Verfügung gestellt wurden, nachgereicht werden. Das ist in Hinblick auf künftige Veranstaltungen ausgewertet worden.
Klaus Deubel
Hier können Sie den Vortrag vom Leiter der Dresdner ARGE, Herr Wünsche
sowie den Vortrag von Rechtsanwalt Jens Didschun als PDF einsehen.
Die Hans-Böckler-Stiftung hat aktuell zum Thema Kurzarbeit weitere Informationen für Sie aufbereitet. lesen Sie hier.
Erfahrungsaustausch mit KomNetz

In einem Workshop stellten die Macher von KomNetz ihr Projekt bei Canaletto vor. Dabei berichteten sie von Schwierigkeiten und Erfolgen.
Das Projekt "Kompetenzentwicklung in vernetzten Lernstrukturen - Gestaltung arbeitnehmerorientierter Arbeits-, Beratungs- und Weiterbildungskonzepte" (KomNetz) wurde im Rahmen des Forschungsprogramms "Lernkultur Kompetenzentwicklung" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) durchgeführt. Gefördert wurde das Projekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Programmträger war die "Arbeitsgemeinschaft Betriebliche Weiterbildungsforschung e.V." (ABWF).
Kooperationspartner in diesem Projekt waren
• die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie,
• die Industriegewerkschaft Metall und
• die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.
Die Leitung und wissenschaftliche Begleitung erfolgte durch die Helmut-Schmidt-Universität, Universität der Bundeswehr in Hamburg.
Inhaltlich ging es um eine arbeitnehmerorientierte Konzeption der Weiterbildung, die Qualifizierung und Kompetenzentwicklung als Kern moderner Beruflichkeit und beruflicher Entwicklungs- und Aufstiegswege versteht. Wir leisteten Unterstützung bei der Gestaltung einer arbeitnehmerorientierten Weiterbildung, die die Forderungen nach mehr Chancengleichheit und Partizipation auch tatsächlich einlöste. Unser Augenmerk richtete sich auf die Entwicklung von Konzepten und die Gestaltung von Beratungs- und Weiterbildungsformen. Dabei richtete sich das Projekt an Betriebs- und Personalräte und regionale Kooperationspartner, um deren Befähigung für eine entsprechende betriebliche Bildungsarbeit zu unterstützen und voranzutreiben.
Arbeitszeiten- Rollende Woche in den verschiedensten Branchen
Den Belegschaftsvertretungen steht gerade auch bei der Mitbestimmung über Arbeitszeitregelungen eine große Verantwortung ins Haus. Viele Dinge müssen dabei beachtet und am Ende gemeinsam mit der Belegschaft umgesetzt werden. Dabei ging es zum ersten Stammtisch.
In lockerer Runde diskitierten zwölf Betriebs- und Personalräte um den Gesundheitsschutz auch für ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer.
- Termine
- Projekte
- Veranstaltungsarchiv
- Auftakt 13.08.2009
- Auftakt 30.3.2009
- Umdenken - Gegenlenken am 25.08. 2009
Bisherige Veranstaltungen
1.Ostsächsischer Mitbestimmungspreis
28.04.2010
Wer kürzer schläft stirbt früher.
30.03.2010
Löbauer Betriebsrätestammtisch
16.03.2010
"Damit unsere Arbeit auch rüberkommt" - Betriebliche Kommunikation mit einfachen Mitteln
30.01.2010
Kamingespräch der Betriebs- und Personalräte in Dresden
16.12.2009
Der Betriebsrat - Eine Chance für Unternehmen und Mitarbeiter/innen?
10.12.2009
Görlitzer Erfahrungsaustausch
24.11.2009
Bautzener Seminar
06.-08.11.09
Krisenfrüherkennung in Lückendorf
24.10.2009
Prekäre Beziehungen
23.10.2009
Wie gestalte ich betr. Mitbestimmung
20.10.2009
Wege zur betr. Mitbestimmung
01.10.2009
Umdenken - Gegenlenken
25.08.2009
Mehr Arbeitnehmerrechte In Europa
28.05.2009
Tag der offenen Tür IG BAU und Netzwerk Canaletto
22.08.2009
Leiharbeit – ein zahnloser Tiger gegen Langzeitarbeitslosigkeit?!
25.05.2009
Kurzarbeit-Qualifizierungsmöglichkeiten für die Beschäftigten
14.05.2009
Stammtisch der Betriebs- und Personalräte zu Arbeitszeitmodellen
13.05.2009
Kurzarbeit: Möglichkeiten zur Gestaltung in der Krise?
07. April 2009
Erfahrungsaustausch mit KomNetz
01.04.2009
Arbeitszeiten- Rollende Woche in den verschiedensten Branchen
01.04.2009
Auftaktveranstaltung des Netzwerkes Canaletto
30.03.2009
Mitbestimmungsrechte in Ostsachsen
13.08.2009
„Wie gestaltet sich die betriebliche Mitbestimmung im ländlichen Raum?“
20.10.2009


































